Diakonisches Altenpflegeheim bekommt Tierschutzpreis Baden-Württemberg

November 2009 - Als erstes Altenpflegeheim in Baden-Württemberg hat das evangelische Altenpflegeheim Sonnhalde in Neuenbürg am  2. November den Tierschutzpreis 2009 des Landes Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Sonderpreis „Mensch und Tier“ der Caritas Gemeinschaftsstiftung und der Anna und Helmut Scharf-Stiftung verliehen bekommen. Dabei wurden vor allem der Umgang des Heimes mit Tieren im Zusammenhang mit den Heimbewohnern und die artgerechte Haltung ausgezeichnet.

„Wenn alte Menschen depressiv oder dement sind, dann ist es oft noch möglich, über Tiere zu ihnen vorzudringen. Tiere sind deshalb für Altenpflegeheime zukünftig ein Thema.“ Mit diesem Satz würdigte Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg das diakonische Pflegeheim, in dem derzeit rund einhundert Tiere und 71 Bewohnerinnen und Bewohner leben. Staatssekretärin Gurr-Hirsch  wird am Montag in Stuttgart den Preis übergeben. Die jüngste Bewohnerin, das Lämmlein Olivia, ist gerade mal drei Wochen alt. Zu den ältesten Bewohnern gehört der Hase Blacki, der gerade aus dem „ehrenamtlichen Besuchsdienst“ bei den Bewohnern ausgeschieden und in Rente gegangen ist. „Da Blacki zwar blind ist, aber noch selbständig fressen kann, bekommt er leider keine Pflegestufe,“ schmunzelt Heimleiter Ludger Schmitt. Einer der Bewohner kümmert sich jedoch besonders liebevoll um den alten Hasen.

Ein Pflegeheim sei ein Ort zum Wohnen, ein Zuhause und keine Intensivstation. Deshalb ist für Heimleiter Schmitt das Miteinander von Mensch und Tier so wichtig. Schmitt: „Wir müssen einen Heimbewohner als ganzen Menschen sehen und nicht nur als zu Pflegenden. Akustische Signale von Tieren, das Berühren, Streicheln, die Zuneigung und auch für ein Tier da zu sein, ist für viele Menschen wichtig.“ Eine Bewohnerin bestätigt das: „Tiere sind was Herrliches. Die geben dem ganzen Menschen Erfüllung.“  Im Pflegeheim Sonnhalde sind die Gänse, Schafe, Hasen, Hunde, Vögel und all die anderen Tiere – insgesamt 15 verschiedene Rassen- mehr als ein „Therapiemittel“, erklärt Schmitt.

Schmitt: „Unser Konzept ist einzigartig und dennoch war der Anfang vor sieben Jahren nicht leicht.“ So manchem Neuenbürger seien die Tiere anfangs ein Dorn im Auge gewesen. Tiere im Pflegeheim, das ginge doch nicht. Auch der freilaufende Hund Mara erregte Unmut und zog vorsorgliche Beschwerden auf sich. Heute ist das Pflegeheim Sonnhalde mit all seinen 171 Bewohnern integriert. Anwohnerin Margareta Treiber hilft  ehrenamtlich mit, die Tiere zu versorgen, andere spendeten zwei Schafe. Schmitt ist Mitglied im Kleintierzüchterverein und nimmt mit seinen Tieren auch an Geflügelausstellungen teil. Die Preisgelder aus Prämierungen und der Verkauf von ehrenamtlich gebackenem Flammkuchen sind notwendige Einnahmequellen. Denn die Kosten für Futter, Ställe und Tierarzt übernimmt kein Kostenträger. So hat Schmitt die 3.000 Euro aus dem Tierschutzpreis denn auch schon verplant: „Wir wollen Ställe sanieren, neue Ställe für die Hasen und eine Vogelvoliere bauen.“

 

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